Qigong zur Regeneration nach Stress

Stress, das ist einer der am häufigsten benutzten Begriffe unserer Zeit. Wir sind gestresst am Arbeitsplatz, in der Familie, mit den Kindern. Ja, wir sind nicht nur gestresst am Ort des Geschehens, sondern schon beim Hin- und Wegkommen. Man denke nur an den Stress im Berufsverkehr: es wird gedrängelt, gehupt, riskant gefahren - und während wir dies lesen sind wir wahrscheinlich schon wieder gestresst, weil uns bereits die Vorstellung davon belastet.

Also kann uns auch schon die Vorstellung von etwas starken Stress bereiten: z.B. die Vorstellung von anstehenden schwierigen Gesprächen, das Denken an die Abgabe von Terminarbeiten.... oder sogar ein Date mit einem möglichen Partner in spe. All dies löst schon in der Vorstellung Stress aus, ehe es überhaupt so weit ist. Denken allein kann also schon viel Stress verursachen: es ist die Ungewissheit, wie ein erwartetes Ereignis ausgehen wird, was uns bereits in der Vorstellung belastet.

Im folgenden Beispiel werden wir sehen, wie sehr wir nur allein auf Vorstellungen sogar körperlich reagieren:
Denken wir intensiv daran, dass wir in eine Zitrone beißen – so werden wir bemerken, wie sich innerlich das Gesicht verzieht und wir vermehrt Speichel produzieren. In diesem Moment können wir gerade erleben, wie Gedanken und Vorstellungen unser Befinden beeinflussen können. Wir können also durchaus in der Vorstellung starken Stress erleben, obwohl wir real gerade gar keinen Stress haben.
Auf gleichem Wege sind wir aber auch in der Lage, durch positive Gedanken im Körper Wohlbefinden zu erzeugen - und uns damit aus einer innerlich gefühlten Stress-Enge zu befreien.

Hierzu setzt Qigong durch seine Übungen mit positiven Vorstellungsbildern an. Da haben die einzelnen Übungen einer Qigong-Choregraphie bestimmte Namen, die üblicherweise angenehme Vorstellungen hervorrufen: in den acht Übungen des „Gesundheitsschützenden Qigong" heißt eine Übung z.B. „Das Boot sanft auf das Wasser schieben", eine Andere hat den Namen „Sonne und Mond stützen" und wieder eine Andere „Das Fenster öffnen und den Mond genießen." Durch diese Vorstellungsbildern geschieht bereits etwas Angenehmes: Wir sehen innerlich etwas, was uns entspannen lässt. Da fällt schon einmal etwas Druck von uns ab im Sinne von „Ahhh - das tut gut!" Und das lässt sich auch körperlich erleben.
Qigong hat aber nicht nur die Vorstellung als entspannende Kraft zum Inhalt, sondern kann (nach der Philosophie der Chinesischen Medizin) auch die Leitbahnen, auch Meridiane genannt, wenn diese nicht durchgängig für die Lebensenergie sind, im Körper dehnen und weiten – so dass diese Lebensenergie wieder zirkulieren kann. Diese Lebensenergie, auch „Qi" genannt, ist eine Kraft, die durch Pulsieren das Funktionieren von Organen sichert. Auch wird durch das Pulsieren von Qi der Sauerstoff von der Lunge in die restlichen Körperbereiche transportiert. Überall pulsiert das Qi – und dieses Pulsieren lässt sich spüren, wenn wir eine Zeit lang Qigong geübt haben. Denn mit Qigong wird auch die Wahrnehmung geschult und geschärft, so dass wir insgesamt achtsamer werden, Beschwerden eher wahrnehmen und dann therapeutisch dagegen angehen können.

Qi ist auch eine Kraft, die uns Antrieb, Lebensfreude, Schaffenskraft und Wohlbefinden bereitstellt – aber eben nur unter der Bedingung, dass es in den Meridianen frei zirkulieren kann. Kann es dies nun nicht - aus den unterschiedlichsten Gründen, kann es zu körperlichen/seelischen Erkrankungen kommen und damit eben auch zu den Folgebeschwerden von Stress.
Im Kurs üben wir Qigong in unterschiedlichen Methoden:

  • in äußerer Bewegung - und innerer Stille
  • in äußerer Stille – und innerlicher Bewegung (durch bewusstes Führen der Vorstellungskraft)

Dabei arbeiten wir immer mit dem Körper, der Atmung und der Vorstellungskraft.
Und wenn wir dies regelmäßig tun, dann passiert etwas, was wir so lange entbehren mussten:
Der Körper kann endlich mal wieder entspannen und in Ruhe eintreten. Wenn wir uns im Kurs für das nachfolgende Qigong-Üben körperlich aufwärmen, langsam „Runterkommen" vom Tag, verlangsamt sich die Atmung und wird tiefer, die Gedanken beruhigen sich und machen Platz für die Bilder der Vorstellungskraft.
Ein kleiner Seufzer der Erleichterung kann uns bei den Übungen ereilen - und ab einem bestimmten Punkt huscht uns vielleicht sogar ein Lächeln über das Gesicht: das „Lächeln durch Qigong" - wie ich es bezeichne. Wenn wir eine Weile geübt haben, kann das Lächeln als Ausdruck des Wohlbefindens die ausgeführte Übung ganz begleiten.
Allerdings fällt dies nicht vom Himmel. Dafür müssen wir etwas tun. Aber ich betone: ohne jeglichen Leistungsanspruch. Qigong kann Freude und soll Spaß machen! Daher ist der Leitspruch in meinen Kursen: „Wir üben nur zu 70 %".
Dem so weit verbreiteten „Perfektionismus" wird der Boden entzogen – „Leistung" ist hier nicht gefragt. Es geht um Eigenverantwortung und Wohlbefinden: die Übung wird an die Praktizierenden angepasst und nicht umgekehrt. Daher setzen sich die TeilnehmerInnen in der Stuhlrunde, wenn sie dies dem Stehen vorziehen, bei Schmerzen werden die Übungen an die Übenden angepasst und wirken trotzdem, bevorzugte Lieblingsübungen dürfen gewünscht werden...Nicht zuletzt wird auch ein bisschen erzählt. Und vor allem: Es darf gelacht werden! Und das wird es auch! Durch zunehmend erlebtes Wohlbefinden wird das möglich.
Manche Stunden enden aber auch ganz intensiv und tief entspannt. Dann gehen die Teilnehmer tief bewegt und ergriffen im Schweigen nach Hause.

Qigong Kursleiterin, Angela Bünger

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